Lokalisierung und Übersetzung – der kleine aber feine Unterschied

Viele Unternehmen sind mehr oder weniger neben ihrer Präsenz in „good old Germany“ auch im Ausland tätig. Entweder befinden sich eine oder mehrere Niederlassungen dort oder es werden zumindest Produkte wie komplette Maschinen dorthin geliefert.

 

Klar ist, dass die jeweilige Betriebsanleitung natürlich auch in die Landessprache übersetzt wird…. oder vielleicht etwa doch nicht? So manche Firma denkt sich: „Das reicht ja wohl, wenn die Betriebsanleitung in Englisch ist. Zusätzliche Unterlagen werden völlig überbewertet.“
Das ist leider ein fataler Irrtum und kann sogar soweit gehen, dass beispielsweise Maschinen erst gar nicht in Betrieb genommen werden dürfen.
Eine Lokalisation und eine Übersetzung sind also enorm wichtig. Es ist leider genauso falsch anzunehmen, dass es sich dabei um denselben Vorgang handelt.

Lokalisation vs Übersetzung oder ist das nicht dasselbe? 

 

Jeden, der sich an dieser Stelle schon gefreut hat, dass die Frage mit „Ja“ beantwortet wird, müssen wir leider enttäuschen. Lokalisierung und Übersetzung sind zwar sozusagen miteinander verwandt, aber das Gleiche sind sie bei weitem nicht.

 

Die Übersetzung: 
Bei einer Übersetzung wird ein bestimmter Text in die jeweilige Landessprache übersetzt. Dabei hat der Übersetzer sich zwingend an den Ursprungstext zu halten. Es dürfen lediglich sinngemäße Anpassungen vorgenommen werden.

 

Die Lokalisation:  
Bei einer Lokalisation wird der jeweilige Text nicht nur in die jeweilige Landessprache übersetzt, sondern auch gleichzeitig an die lokalen Gegebenheiten angepasst. Das gilt unter anderem für Maßeinheiten, Währungen oder für Sprichwörter und Begrifflichkeiten, die sich in unseren Breitengraden eingebürgert haben – im Ausland aber etwas ganz anderes bedeuten.

 

Kleines Beispiel gefällig?  
„Bestens geeignet für Public Viewing“ möchte im englischsprachigen Raum niemand in einem Werbebrief lesen. Denn das steht dort für das öffentliche Aufbahren einer Leiche.
Auch mit dem Wort „Handy“ kann im englischsprachigen Raum niemand viel anfangen. Dort heißt das Gerät Cellphone.  Auch Produktnamen werden angepasst. In England wird aus Opel beispielsweise Vauxhall.
Wird ein Marketingtext lokalisiert, bleibt also im Umkehrschluss der Sinn des Ursprungstextes erhalten. Er wird aber dahingehend abgewandelt und angepasst, dass die richtige Zielgruppe angesprochen wird.
Das gilt auch für Webseiten international agierender Unternehmen. Es werden nicht nur die Texte der jeweiligen Landessprache angepasst. Dies wird auch für Slogans, Farben etc. pp. angewandt.

Warum das alles? 

 

An dieser Stelle fassen wir die Unterschiede zwischen den beiden Begrifflichkeiten zunächst noch einmal kurz zusammen:

  • Bei einer Übersetzung wird ein Text in die jeweilige geforderte Zielsprache übertragen
  • Bei einer Lokalisation wird der Text zusätzlich noch technisch an die landesspezifischen Anforderungen angepasst

 

Lokalisierung ist aber noch viel mehr. Eine Maschine wird beispielsweise von Deutschland nach Amerika verkauft. „Klingt ja gar nicht so spektakulär und ist für viele Unternehmen Tagesgeschäft.“ Das denken Sie sich jetzt vielleicht. „Was hat das jetzt mit der Übersetzung und Lokalisation zu tun?

 

In Amerika müssen Maschinen, bevor sie überhaupt zum Einsatz kommen dürfen, zunächst einmal von einer bestimmten öffentlichen Behörde kontrolliert werden. Die Mitarbeiter kontrollieren aber nicht nur die Maschine an sich, sondern auch die Papiere, die diese Maschine begleiten, sprich

  • Die Betriebsanleitung
  • Die Risikobeurteilung
  • Sonstige nötige Papiere

 

Dass die Maschine beispielsweise elektrisch umgerüstet werden muss, dürfte ja klar sein. Aber auch die Betriebsanleitung muss entsprechend angepasst – also lokalisiert – werden.

 

Das gilt für Normen, Maßeinheiten etc. pp. Erfüllt eine Maschine, beziehungsweise deren Papiere, nicht die Anforderungen, darf diese nicht im Betrieb genommen werden. Das kann ab einer gewissen Größenordnung ein Riesenverlust für ein Unternehmen bedeuten.
Übrigens: In vielen Ländern ist es mittlerweile Pflicht, eine Betriebsanleitung in der jeweiligen Landessprache mitzuliefern. Dies fordert auch die Maschinenrichtlinie. Alleine schon aus Qualitätsgründen sollten Sie die Übersetzung und vor allem die Lokalisation in die Hände eines Profis geben.
Als negatives Beispiel haben wir schon in den vorangegangenen Artikeln häufiger die berühmten Betriebsanleitungen, oft aus dem asiatischen Raum, mit ihren teils sehr kryptischen Aussagen angeführt.
Eine von einem Profi übersetzte und lokalisierte Betriebsanleitung gibt Ihnen zudem auch eine gewisse Rechtssicherheit und kann unter gewissen Umständen, bestimmte Gewährleistungsansprüche schon von vorneherein ausschließen.

Die Softwarelokalisierung  

 

Noch ein bisschen anspruchsvoller ist die Softwarelokalisation. Denn neben den Sonderzeichen müssen auch Schaltflächen, Zeichenbeschriftungen und Darstellungen den lokalen Gegebenheiten angepasst werden.

 

Das gilt natürlich auch für

  • Formate wie Datum und Uhrzeit
  • Groß- und Kleinschreibung
  • Papiermaße
  • Zahlungsmethoden
  • Die Währung
  • Zeichensetzung
  • Datenschutz etc. pp.

 

Dafür ist natürlich eine Menge Recherchearbeit erforderlich, denn jedes Land stellt seine individuellen Bedingungen an eine Software. Dafür sollte der jeweilige Übersetzer auch die lokalen Gegebenheiten gründlich recherchieren.

 

Für eine gelungene Lokalisation und Übersetzung sollte man also mit Experten zusammenarbeiten. Dafür sieht die Software dann nach Abschluss der Lokalisation aus, als ob sie speziell für das jeweilige Land programmiert worden wäre.

Wann reicht lediglich eine Übersetzung? 

 

Mit dem Thema Lokalisation haben wir uns nun ausreichend beschäftigt. Eine Frage haben wir allerdings noch nicht beantwortet: „Wann reicht eine Übersetzung völlig aus?“

 

Beispielsweise dann, wenn Sie hauptsächlich auf dem nationalen Markt tätig sind. Mit ihren Texten möchten Sie hauptsächlich eine Zielgruppe ansprechen, nämlich die deutsche. Möchten Sie jetzt keine weitere Zielgruppe ansprechen, sondern beispielsweise Ihre Website lediglich mehrsprachig ans Netz bringen, dann reicht eine professionelle Übersetzung aus.
Auch wenn Sie internationales Publikum auf einer Messe über ihr Produkt informieren möchten, dann genügt es, den Flyer übersetzen zu lassen. Werden Sie dann allerdings anschließend auf dem internationalen Markt tätig, sollten Sie dringend eine Lokalisation in Betracht ziehen.

 

Fazit: 
Eine professionelle Übersetzung und Lokalisation sind für Unternehmen extrem wichtig. Allerdings sollte man immer abwägen, was im jeweiligen Fall erforderlich ist. Arbeitet eine Firma sehr viel mit internationalen Kunden, ist eine Lokalisation unbedingt nötig. Soll lediglich der nationale Markt bedient werden, dann reicht eine Übersetzung vollkommen aus.
Sie haben Fragen zum Thema Lokalisation und Übersetzung oder benötigen Hilfe? Dann sollten Sie Kontakt mit uns aufnehmen.

 

Im nächsten Blogartikel beschäftigen wir uns mit der Rolle der Dokumentation in Software-Projekten.