Technische Redaktion ist doch Kokolores, oder?

Die technische Redaktion ist in manchen Unternehmen ein ungeliebtes Stiefkind. Gerne wird sie Mitarbeitern zugeschoben, die sich mal so nebenbei in das Thema einarbeiten sollen (was – so nebenbei bemerkt – völlig unmöglich ist). Das kann den Ingenieur ebenso treffen wie beispielsweise (und im schlimmsten Fall) den Praktikanten.  

So manche Händler oder Hersteller machen es sich auch einfach, indem sie Produkte aus asiatischen Ländern kaufen und die Bedienungsanleitung vom Google Translator übersetzen lassen. Das ergibt in 99,9 % der Fälle ein hoffnungsloses Kuddelmuddel, das kein Verbraucher versteht. Mit der sogenannten „intuitiven Bedienung“ ist es bei solchen Geräten meistens auch nicht allzu gut bestellt. Im schlimmsten Fall hat man dann ein Gerät gekauft, das niemand bedienen kann. 
Hand aufs Herz! Wer hatte noch nie eine solche Bedienungsanleitung in den Händen? 


Technische Redaktion ist mehr als Bedienungsanleitungen schreiben 

Ein technischer Redakteur muss sehr viel mehr können als lediglich eine Bedienungsanleitung von „Fachchinesisch“ in eine verständliche Sprache zu übersetzen. Das beste Beispiel ist hier der Maschinen- und Anlagenbau. In der grauen Theorie sollte die technische Redaktion die Maschine quasi von Geburt an begleiten. Also von der Idee hin bis zur fertigen Maschine. Leider kommt es aber immer wieder vor, dass dem nicht so ist.  
Das Ende vom Lied ist dann meist, dass eine solche Maschine beim Kunden steht und sobald die ersten technischen Probleme auftauchen guter Rat (extrem) teuer ist.  Nicht umsonst verlangen beispielsweise Automobilzulieferer und –hersteller in den meisten Fällen eine lückenlose technische Dokumentation BEVOR eine Anlage überhaupt aufgebaut werden darf. Denn es ist so, dass eine Maschine nur dann eine CE-Kennzeichnung bekommt, wenn die Dokumentation lückenlos ist.  

Unterschieden wird zwischen interner und externer Dokumentation.  

Interne Dokumentation betrifft alles, was beim Hersteller in den Archiven bleibt. Das können sein: 

  • Technische Zeichnungen und Schaltpläne 
  • Risikobeurteilungen für die CE-Konformität 
  • Nachweise für die Qualitätssicherung 
  • Die externe Dokumentation  

Es müssen also alle Dokumente gesammelt werden, die den kompletten Lebenszyklus der Maschine (oder eines anderen Endprodukts) dokumentieren. Das betrifft übrigens auch Zukaufteile!  
Außerdem müssen alle diese Dokumente in regelmäßigen Abständen gepflegt und aktualisiert werden, beispielsweise, wenn sich etwas am Antrieb ändern sollte. Auch keine Aufgabe, die man einer ungelernten Kraft überlassen sollte.  

Bei der externen Dokumentation handelt es sich um alle Papiere, die mit dem Produkt zum Kunden, beziehungsweise zum Endverbraucher gehen. 

Das können sein: 

  • Die Bedienungsanleitung 
  • Die Sicherheitshinweise 
  • Die Risikobeurteilung 

Risikobeurteilungen wie sie für die CE-Konformität erforderlich sind, macht niemand mal „so schnell nebenbei“. Sie sind elementarer Bestandteil der Bedienungsanleitung.  

Es gibt übrigens Unternehmen, die erst kurz vor knapp einen Technischen Redakteur hinzuziehen. Also dann, wenn das Produkt schon kurz vor der Fertigstellung ist. Dann ist der Zeitdruck natürlich enorm. Mehr Sinn macht es, wenn der Redakteur von Anfang an mit dabei ist.  

Technische Redaktion ist wichtig. Punkt. 

Mit einer hochwertigen technischen Redaktion kann sich ein Unternehmen profilieren. Hochwertig ist ein Produkt – und nichts anderes ist auch eine gut formulierte Bedienungsanleitung – nur dann, wenn das Produkt von einem Fachmann hergestellt und von einem Technischen Redakteur formuliert wird.  
Grundlage, um als Technischer Redakteur zu arbeiten, ist in den meisten Fällen ein Studium, meist in Geisteswissenschaften wie Germanistik. Mittlerweile gibt es aber auch Universitäten, die ein Fach-Studium zum Technischen Redakteur anbieten. Auch diverse Fachhochschulen bieten solche Studiengänge an. Es gibt aber auch sehr viele Quereinsteiger, die als Technischer Redakteure arbeiten und sich entsprechend weiterqualifiziert haben.  

Ein guter Technischer Redakteur muss immer auf dem neuesten Stand sein, insbesondere, was Richtlinien und Normen aus den verschiedensten Branchen betrifft. Das erfordert eine ständige Weiterbildung, da sich bei manchen Produkten die Anforderungen fast jährlich ändern und – zumindest fühlt es sich bei manchen so an – immer umfangreicher werden. Die Maschinenrichtlinie beispielsweise schreibt klar vor, wie die technischen Unterlagen aussehen müssen.  

Bedenken Sie: Fehlerhafte Informationen können für einen Hersteller schwerwiegende Folgen haben, wenn bei der Bedienung etwas schief geht. Ein Unternehmen muss beispielsweise bei einer Prüfung lückenlos nachweisen können, dass es sich an alle Anforderungen gehalten hat. Das gleiche gilt für den Schadensfall. Ist keine lückenlose Dokumentation vorhanden, drohen empfindliche Strafen. Übrigens kann es im extremsten Fall zu einer Geldstrafe kommen, wenn der Schriftgrad der Bedienungsanleitung zu klein ist.  

Brückenbauer zwischen Herstellern und Anwendern  

Technische Redakteure können aber noch sehr viel mehr. Sie sind quasi eine Brücke, nämlich zwischen den Unternehmen und den Verbrauchern, beziehungsweise den Anwendern. Denn sie erstellen nicht nur verständliche Betriebsanleitungen und halten dabei alle relevanten Vorgaben und Gesetze ein. 
Technische Redakteure können auch Aufgaben in der Qualitätssicherung oder im Projektmanagement übernehmen. Außerdem erstellt mancher Technischer Redakteur auch verständliche Schulungsunterlagen für bestimmte Produkte.  

Selbstverständlich bilden wir von Schneider Dokumentation uns regelmäßig weiter, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.  

Im nächsten Blogartikel beschäftigen wir uns mit der Frage, ob es sinnvoll ist, eine Betriebsanleitung zu standardisieren und in welchem Umfang. 

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