Texte in leichter Sprache erstellen – Teil 1: Zahlen und Zeichen

Eine Bedienungs- oder Betriebsanleitung zu lesen, kann, je nach Produkt, eine echte Herausforderung sein. Menschen mit ganz durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten, stoßen hier bereits an ihre Grenzen. Umständliche Formulierungen, Tabellen mit Zahlenwust und wilden Einheiten, die man im Leben noch nie gesehen hat, kryptische Anweisungen und dabei jagt ein Verweis den anderen. Der ein oder andere mag hier schon geflucht haben. Aber was machen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, die z. B. vielleicht eine Lese-/Rechtschreibschwäche haben?

Es mag ein frommer Wunsch sein, aber neuerdings werden vermehrt Stimmen laut, benachteiligte Menschen mit ins Boot zu holen. Besonders bei den Konsumgütern und den Gütern des täglichen Lebens, ist die Gefahr, dass beeinträchtigte Menschen durch gedankenlose und nicht verständliche Gebrauchsanweisungen massiv ausgebremst werden besonders groß. Neben dem Gefühl ausgeschlossen zu sein, können ganz praktische Hindernisse entstehen, die die einfachsten Vorgänge des täglichen Lebens unmöglich machen.

Wer sich hier als technischer Redakteur berufen fühlt, dem eröffnet sich ein weites Feld an Möglichkeiten, mit oft nur geringem Aufwand, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen entgegenzukommen. Insbesondere, da das Gebiet der kognitiven Beeinträchtigungen und ihrer Überwindung bereits gut erforscht ist.

Ein Ansatz ist hier die sog. „leichte Sprache.“ Aber was ist „leichte Sprache“ eigentlich?

Bei der sogenannten leichten Sprache handelt es sich um eine vereinfachte, weniger komplexe Form der deutschen Sprache. Sie richtet sich sowohl an Menschen mit einer leichten kognitiven Behinderung, wie der Legasthenie, als auch an Menschen, die gerade damit begonnen haben, die deutsche Sprache zu lernen, also etwa Flüchtlinge oder Einwanderer.

Die leichte Sprache hat einige Regeln, die die deutsche Sprach schon wesentlich vereinfachen:

  • Es werden möglichst kurze Sätze ohne Nebensätze gebildet.
  • Die Sätze enthalten nur ein Verb bzw. eine Aussage (Beispiel: Ich lerne Autofahren.)
  • Es sollten möglichst bekannte und vor allem kurze Wörter verwendet werden und keine komplizierten Fremdwörter.
  • Synonyme erschweren das Verständnis vor allem bei Sprachneulingen. Auch wenn es manchmal schwerfällt: Es sollte immer das gleiche Wort verwendet werden.
  • Abkürzungen sind oft kryptisch und sollten, wenn möglich, vermieden werden.
  • Wenn „schwere Wörter“ gebraucht werden, also Fachbegriffe, sollten sie möglichst erklärt werden.
  • Der Genitiv ist schwer zu greifen, weswegen er nicht verwendet werden darf.
  • Auch der Konjunktiv (Möglichkeitsform) darf nicht verwendet werden.
  • Metaphern und keine Redewendungen sind zwar die Würze der Sprachen, aber für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und Sprachneulingen oft schwer zu verstehen.
  • Aktiver statt passiver Stil ist geboten.
  • Zum besseren Verständnis mit Beispielen arbeiten.

Das ist nur ein kurzer Überblick über die wichtigsten Regeln (Quelle: https://leidmedien.de/startseite/was-ist-leichte-sprache/). Die leichte Sprache ist übrigens keine Kindersprache! Auch ist sie etwas anderes als die sog. „einfache Sprache“. Zu dieser lesen Sie unseren Beitrag: „Texte in leichter Sprache erstellen – Wörter.

Zahlen und Zeichen in einfacher Sprache

Schwierig wird es für die technische Dokumentation gerade dann, wenn es um Zahlen und Zeichen geht. Beispielsweise müssen Wartungsintervalle immer genau eingehalten werden. Das heißt, es müssen genauestens die Betriebsstunden festgehalten werden, die beispielsweise eine Maschine gelaufen ist.

Bei der leichten Sprache hingegen sollen Jahreszahlen möglichst vermieden werden. Stattdessen werden Formulierungen wie „vor langer Zeit“ oder „vor kurzer Zeit“ oder „vor sehr langer Zeit“ verwendet.

In diesem Fall kann die technische Dokumentation nicht der Forderung nach einer leichten Sprache nachkommen. Denn im schlimmsten Fall kann eine ungenaue Angabe hohen Sachschaden zur Folge haben – gerade die Wartungsintervalle betreffend.

Zahlen durch Zahlwörter ersetzen

Etwas einfacher wird es, wenn die Möglichkeit besteht, in der technischen Dokumentation Zahlen durch Zahlwörter zu ersetzen, zum Beispiel Kapitel 1 durch Kapitel eins.

Allerdings sollte sich diese Schreibweise durch die komplette technische Dokumentation ziehen. Das kann aber vorher im Redaktionshandbuch festgelegt werden.

Weiterhin sollte auch die römische Schreibweise für Zahlen vermieden werden, also X für 10 oder V für fünf. In den meisten Fällen werden zwar arabische Ziffern verwendet – 1, 2, 3, 4 usw. – aber trotzdem kommt es immer wieder vor, dass sich römische Zahlen einschleichen. In der leichten Sprache müssen diese aber vermieden werden.

Die (Prozent)Zahlen, das Datum und die Zeit

Auch bei der Schreibweise des Datums und der Zeit wird sich die leichte Sprache nicht immer in der technischen Dokumentation umsetzen lassen. In der leichten Sprache wird das Datum beispielsweise so geschrieben: 31. Januar 2020. In der technischen Dokumentation hingegen wird man eher den 31.01.2020 finden oder den 2020-01-31 in amerikanischen Unternehmen.

Ähnlich sieht es bei der Uhrzeit aus. In der leichten Sprache heißt es beispielsweise 7 Uhr morgens beziehungsweise 7 Uhr abends. In der technischen Dokumentation hingegen 07:00 Uhr beziehungsweise 19:00 Uhr oder 7:00 Uhr a.m. (für morgens) beziehungsweise 07:00 Uhr p.m. (für abends).

Ähnlich sieht es bei hohen Zahlen oder Prozentzahlen aus. Natürlich könnte man statt 20.000 Volt auch 20 Kilovolt schreiben. Abkürzung wie V für Volt oder KV für Kilovolt sind übrigens ebenso in der leichten Sprache nicht erlaubt.

Bei Prozentzahlen kann man 50 Prozent notfalls noch mit der Hälfte oder 25 Prozent mit einem Viertel umschreiben. Aber 34 Prozent bleiben nun einmal 34 Prozent.  

Die Telefonnummern

In der leichten Sprache sollten Telefonnummern gesperrt – also mit Leerzeichen geschrieben werden. Das heißt statt 0123/4567 lieber 01 23 / 45 67. Die leichte Schreibweise lässt sich hier relativ einfach umsetzen.

Sonderzeichen und ähnliches sollten in der leichten Sprache übrigens vermieden werden. Dazu gehören Anführungsstriche, Doppelpunkte, Klammern oder das Prozentzeichen. Diese werden sich aber in einer korrekten technischen Dokumentation kaum vermeiden lassen.

Sie haben Fragen zur leichten Sprache? Dann steht Ihnen das Team von Schneider Dokumentation mit Rat und Tat zur Seite.